Sonntag, 14. Juni 2015
Alles in Einem
Tetralemma und Verhandlungsrefraiming

Tetralemma

stammt angeblich aus Indien. Wozu ist das gut?
Ich kann mich nicht zwischen Diesem ("Das Eine") und Jenem ("Das Andere") entscheiden.

Was für ein Dilemma!
Also betrachten wir es von vier (=tetra) Seiten.

Zunächst werden sogenannte "Bodenanker" auf dem Boden verlegt:
Das sind einfach Zettel mit Beschriftungen. Beim Tetralemma steht drauf:
"Das Eine"
"Das Andere"
"Beides"
"Keins von Beidem"
sowie ein fünfter leerer Zettel (ich nenne ihn für mich Joker-Karte)

Der Coach ist die ganze Zeit bei seinem Klienten und macht das, was im NLP Pacing genannt wird.
Er schafft also eine offene wohlwollende Atmosphäre, so dass sich die Klientin öffnen kann und Vertrauen zum Coach hat.
Die Coachin sorgt während der ganzen Sitzung dafür, dass es dem Klienten jederzeit gut geht.

Die Klientin betritt "Das Eine" und spürt sich rein in eine entsprechende Situation.
Wie geht es ihr, wenn sie das Eine tut oder in dem Einen ist?
Der Klient spürt die vorgestellte Situation möglichst mit allen seinen 5 Sinnen:
VAKOG=Visuell, Auditiv, Kinästhetisch, Olfaktorisch, Gustatorisch. Die Coachin hilft dabei durch Nachfragen.

Anschliessend betritt der Klient "Das Andere" und spürt sich auf gleiche Weise dort ein.
Spätestens hier ist es wahnsinnig spannend für den Coach, die Körpersprache des Klienten zu beobachten.

Der Coach führt den Klienten dann auf die Position "Beides"
und die Klientin versucht sich vorzustellen, beides zu haben / zu machen ...
Wie kann das gehen? Wie fühlt sich das an?
Wieder ist einfühlen angesagt, also VAKOG.
Mein Klient hat sich mit je einem Bein auf die Bodenanker des Einen und Anderen gestellt und das Beide links liegenlassen. Als Coach Geduld haben, der Klientin helfen, ihren Gefühlen und Gedanken Ausdruck zu verleihen oder einfach zusehen und begleiten.

Falls gewünscht, geht der Klient nun zu "Keins von beidem". Er dreht sich dabei mit dem Rücken zu den ersten 3 Bodenankern (Zettlen) und weiter geht's.

Wenn dem Klienten die Sache wichtig ist, sollte der Coach spätestens hier ein Päckchen Taschentücher bereithalten.
Denn allerspätestens hier kommt neben den Emotionen auch die Sinnfrage auf.
Was soll das Ganze eigentlich? Warum will ich das Eine? Warum das Andere? was steckt eigentlich dahinter?

Wenn der Klient es nun immer noch wissen will, tritt er auf das leere Feld.
"All dies nicht und selbst das nicht."
(http://de.wikipedia.org/wiki/Tetralemma_%28Strukturaufstellung%29)

Hier bekommt die Klientin nochmal eine (Über-)Dosis an Eindrücken, die sie dann zu verarbeiten hat, um selbst auf die für sie passende Lösung ihres Problems zu kommen.

Hinweise, falls jemand das mal nachmachen will...

... Also erstmal turnt der Coach sowas natürlich an sich selbst durch.
Ich kann nicht andere Leute coachen, wenn ich nicht selbst weiss, wie es sich anfühlt, gecoacht zu werden.
Oder wie die Psychologen sagen: Ich muss erst meine eigene Seele klempnern, bevor ich das bei anderen tun darf.

... und dann übt der Coach das natürlich erstmal.
Am besten in einer "Peer" Group, so dass er / sie / es auch mal Fehler machen darf.
Und unter Aufsicht durch weitere Personen ist.
Soweit bin ich selbst gerade.

Verhandlungsreframing

bedeutet Verhandeln zwischen unterschiedlichen Positionen /Persönlichkeitsanteilen einer Person.

Und dann dachte ich mir, es wäre eine gute Idee, für meinen Klienten noch ein Verhandlungs-Reframing hinterherzuschicken. Er war grad in so einer passenden Stimmung dafür.

Dazu wechselte ich dann in die Beobachter-Position und ein anderes Mitglied der Peer Group führte das Verhandlungs-Reframing durch. Als Beobachter in der Perr Group gebe ich Feedback, wie es gelaufen ist und was der Coach noch verbessern könnte.

Bei diesem Format (NLP nennt solche Dinge alles Formate) verhandeln zwei Persönlichkeitsanteile miteinander.

In unserem Fall waren es die schon guten Bekannten "Das Eine" (zum Beispiel: ich will mehr Sport treiben) und "Das Andere" (zum Beispiel: mein innerer Schweinehund), beides Anteile der Klientin.

Die Coachin braucht für jeden Persönlichkeitsanteil einen Stuhl.

Der Klient wählt aus, welcher Teil welchen Stuhl repräsentiert und mit welchem Stuhl er beginnen möchte.
Und los geht's:

Du, Klient, bist jetzt dieser Teil.
Beschreibe den Teil.
Was ist die positive Absicht dahinter?
Wie findest Du den anderen Teil, Dein Gegenüber?
Dies wird solange durchgeführt, bis der Klient bereit ist, auf den anderen Stuhl und damit auf den anderen Teil zu wechseln.

Dann erfolgen die gleichen Fragen an den anderen Teil.
Wenn beide Positionen geklärt sind, geht es in die 2. Runde.

Hier beginnen die Teile, miteinander zu verhandeln.

Was wünschst Du Dir von dem anderen Teil?
Was wünschst Du dem anderen Teil?

Wechsel des Stuhls und Teils

Du hast den anderen Teil gehört. Wie findest Du das?
usw.
Zeit lassen, nachfragen, bis alle Argumente ausgetauscht und verstanden wurden.

... Einige Wechsel später

sollte es hoffentlich zu einer Annäherung der Teile gekommen sein. Vielleicht sogar mehr als das.
Alle Argumente sind ausgetauscht, es kommt nichts wesentlich Neues mehr hinzu. Der Klient ist auch schon etwas erschöpft (und der Coach auch).

Jetzt erfolgt ein Wechsel auf den neutralen Stuhl.

Die Klientin spürt nach und blickt aus der neutralen Position auf ihre Stühle=Persönlichkeitsanteile.

Das Ende wird mit einer Geste zelebriert: Jedes Teil liegt vorgestellt auf einer ausgestreckten Hand.
Die Geste symbolisiert die neue Stellung der Teile zu einander. Die Klientin darf sie frei bestimmen.

Bei "meinem" Klienten: Falten der Hände.
Zusätzlich hat der Klient noch die Stühle ineinander gesteckt.

Und keine Sorge, wenn der Coach etwas vergisst, der Klient holt das schon alles aus seinem Unterbewusstsein, wenn es wichtig ist.
Achja und die Taschentücher ...

"Schweinehund" und "Sportskanone" sind nun also friedlich vereint.

Wenige Tage später erhielten mein Peer und ich eine Dankes-Mail, dem wohl nichts hinzuzufügen ist:

...
nochmals vielen Dank für das Geschenk, welches ich von Euch erhalten habe.
Zu der Hände faltenden Geste ist noch der Satz ALLES IN EINEM dazugekommen.
Was sich daraus ergibt finde ich genial
Ich wollte es gern mit Euch teilen, weil ich so glücklich bin.

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Nicht mal genug Ortsnamen?
Chorwochenende in Grünow in der Mecklenburger Seenplatte.
Aber Vorsicht! Es gibt noch ein Grünow in der Uckermark.
Was macht die kluge Frau?
Sie tippt statt "Grünow" den Nachbarort "Dolgen" in das Navi ein.
Sie ist schon spät dran und sie ist die Chorleiterin.
Sie hatte einen anstrengenden Tag und sitzt nun mit ihren zwei Teenager-Kindern im Auto.
Auf der Straße ist unterwegs auch noch Vollsperrung und sie nimmt die ausgeschilderte Umleitung über Strasburg.
Sie ist noch später dran. Sie wird immer nervöser.
Die zwei Teenager fangen an zu maulen.
Der ganze Chor wird auf sie warten müssen.
Dabei wollten sie heute noch proben.
Endlich erreicht sie Dolgen. Aber irgendetwas stimmt hier nicht.
Sie erkennt Dolgen nicht wieder. Alles sieht so anders aus.
Sie steigt aus und raucht eine Zigarette.
Sie blickt auf ihr Navi.
Sie ist nicht in Dolgen in der Mecklenburger Seenplatte gelandet, sondern in Dolgen in der Uckermark!
Und es ist eine knappe Stunde Fahrt zu dem richtigen Dolgen über Huckelpiste.
Von dort aus noch ein paar Kilometer zu dem richtigen Grünow.
Mit reichlich 90 Minuten Verspätung erreicht die Chorleiterin schliesslich den Chor.
Jetzt braucht sie erstmal eine Zigarette, die bringt die Emotionen runter.
Die Probe fällt dann für heute ins Wasser.

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